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Warnung

Warnung!


Diese Texte sind Texte der Herrschaft. Diese Texte sind apodiktisch, behaupten, beweisen selten, sie nehmen Platz ein, Platz der dir gehören könnte, der öffentlich sein sollte, frei, für jede/n zugänglich. Diese Texte nehmen gerade deine Zeit in Anspruch, Zeit in der du etwas Besseres tun könntest als zu lesen. Diese Texte versuchen, in deine Gedanken einzudringen, sie nutzen dazu alle Mittel: Brachialgewalt und subliminare Techniken, Hypnose und NLP. Diesen Texten ist nicht zu trauen. Sie, diese Texte fordern deinen Widerspruch heraus, sie sind nicht richtig, in diesen Texten hast du nicht recht, weil sie einem anderen Recht gehorchen. Sie führen dich aufs Glatteis. Sie bewegen sich selbst auf ganz dünnem Eis. Der Autor lehnt sich weit aus dem Fenster. Gib acht dass du nicht mitgerissen wirst wenn er fällt, vielleicht kann deine Kritik, vielleicht deine Wahrnehmung den letzten Anstoss geben um den Autor dieser Texte zu überführen, ihn zu Fall zu bringen, ihn zu blamieren.

Diese Texte versuchen dich zu beeindrucken, sie drängen sich in deine Wahrnehmung, unterdrücken dich, unterwerfen deine Logik, obwohl sie gelegentlich jeder anständigen Logik Hohn sprechen. Diese Texte geben dir keine Freiheit, du musst sie dir nehmen, ja geradezu erkämpfen. Diese Texte fordern, dass du dir deine Freiheit nimmst, die Freiheit, dich auf die Texte einzulassen oder diese Texte zu verlassen, aufzuhören, sie zu lesen. Diese Texte sind nicht bescheiden, sie sind masslos. Diese Texte bescheiden sich nicht, sich einzuordnen in die wissenschaftlichen und autoritativ gesicherten Systeme des Wissens. Diese Texte rütteln an Käfigstäben, einen Teil diese Käfigstäbe haben die Texte selbst angebracht. Die Texte sind frech und anmaßend. Sie messen sich mit den grössten Denkern und ihren Texten, sie nehmen keine Rücksicht auf Grösse und Erhabenheit. Sie behandeln andere Denker als Kumpels und Witzbolde. Ja selbst die grössten Philosophen erscheinen hier mehr als Clowns als als ernsthafte Kämpfer um die Wahrheit.

Wie jedes System ist dieses System von Texten eine Vereinfachung, eine Abstraktion, oftmals sogar unzulässig vereinfacht, denn so einfach kann es gar nicht sein. Es ermöglicht sich selbst erst durch Einschränkung, Begrenzung, Kappung, Bestimmung, Gerichtetheit, Richtung. Dieses Textsystem definiert und falsifiziert sich durch seine Grenzen weil es begrenzt falsch ist. Systeme wie diese Texte sind von ihrer Natur her unbegrenzt, sind offen, drängen ins Offene, erzeugen durch Systemzwang Freiheitsdrang.

Diese Texte sind mitunter nicht einmal neu, sie geben wieder was du in einem anderen Zusammenhang schon einmal gelesen hast. Diese Texte sind nicht systematisch und mitunter aus jedem Zusammenhang gerissen oder in einen ganz anderen Zusammenhang gesetzt. Sie unterminieren dein Denken wie das Geflecht eines Pilzes. Während du noch überlegst ob der Samenkörper eine giftige oder essbare oder ungeniessbare Sorte ist, hat das Myzel, das Rhizom dich schon unterwandert, ist schon in alle deine Gedanken gekrochen. Ja du findest gelegentlich Worte, Formulierungen, ganze Gedanken aus diesen Texten in deinen Argumentationen. Die Texte sind klebrig, heimtückisch. Sie haben sich eingeschlichen, dich getäuscht. Mit diesen Texten sind Gedanken eingeschleust worden, die nicht im Text standen. Diese Texte rauben dir vielleicht deine Ruhe. Du kannst ihnen nicht glauben. Sie sind keine Axiome. Sie sind nicht verlässlich. Sie klingen ganz plausibel, aber wenn du sie am dringendsten brauchst, verlassen sie dich und du bist auf dich allein gestellt.

Mit diesen Texte wirst du keinen Blumentopf gewinnen. Zitieren lohnt nicht, weil den Autor niemand von Rang und Namen kennt. Der Autor ist nicht hochkarätig. Wahrscheinlich sind die Texte sogar nutzlos, vieleicht sogar schädlich. Für akademische Karrieren kann vor diesen Texten nur gewarnt werden.

Diese Texte haben keine Richtungen, weil sie in alle Richtungen gleichzeitig gehen. Sie sind provokativ, vorlaut. Bei der Erarbeitung der Texte haben nicht alle relevanten und anerkannten Wissenschaftler mitgewirkt, ja sind oft nicht einmal befragt worden. Die Datenbasis ist unklar, sie beruht sogar mitunter nur auf Intuition. Der grösste Teil der Texte ist nur Einbildung wie überhaupt der Autor eingebildet zu sein scheint. Er bildet sich selbst weiter. Seine Teilhabe an der öffentlichen zertifizierten Schulung ist nur sporadisch und von keinen aussergewöhnlichen Leistungsnachweisen begleitet. Die Lehrer des Autors waren Kinder, Säuglinge, Irre, Verwahrloste, Künstlerinnen, Vögel und Wiesen. Er zählt Schriftstellerinnen und Schriftsteller unter seine Lehrer und Lehrerinnen welche jeweils zu Recht von der Menschheit verstossen wurden. Er hat offenbar von den Narren genauso viel gelernt wie von den Weisen. Auch einige Professoren waren unter seinen Lehrern, aber wohl nur, wenn diese ein bisschen verrückt waren.

Diese Texte folgen niemandem, sondern gehen voraus, sie kümmern sich nicht darum ob du ihnen folgen kannst, ob du ihnen folgst. Du bist diesen Texten gleichgültig. Du giltst ihnen so viel wie jede/r andere. Die Texte wollen dich speziell nicht erreichen, es ist ihnen gleichgültig, wen sie speziell und wann sie jemanden erreichen. Die Texte legen Wert auf dich aber nicht genau auf dich, du giltst genau wie jede andere Leserin oder jeder andere Leser.

Der Autor ist begeistert von der Arbeit anderer, aber er achtet die Arbeit von vielen fähigen Leuten nicht, die grossen Aufwand und Herzblut in ihre Schriften gesteckt haben. Er hält seine hingeschluderten Texte für ebenso interessant wie seine sorgfältig erarbeiteten Texte. Ja er traut sogar den einfach so in der S-Bahn entstanden Texten mehr als denen, an denen er wochenlang gefeilt hat. Sie seien näher an seiner Intuition. Sagt der Autor. Die Texte sind begeistert von anderen Autoren und Autorinnen, welche gar nicht hinreichend studiert wurden, dessen Aufarbeitung in der wissenschaftlichen Welt dem Autor sogar zum Teil gänzlich fremd ist. Wahrscheinlich hat der Autor diese anderen Autorinnen und Autoren nicht mal verstanden sondern einfach so interpretiert.

Diese Texte teilen oft nicht deine Meinung, bringen deine Meinung nicht zum Ausdruck. Du kannst sie nicht immer als dein Sprachrohr benutzen. Diese Texte sind als Spiegel nicht immer geeignet. Oft zeigen sie ein verzerrtes Bild von dir, welches dir und deinen Lieben wehtun wird oder sie lachen und dich lächerlich macht.

Diese Texte behaupten, dass sie anstossen wollen, dabei sind sie selbst oft anstößig. Der Autor hat zu allem was zu sagen, er ist sich offensichtlich nicht einmal immer der Tragweite seiner Aussagen bewusst. Diese Texte äussern sich sogar zu Themen, in welchen du dich besser auskennst.

Lese diese Texte besser nicht, gehe woanders hin, mache dir nicht die Mühe. Wahrscheinlich kommst du mit ein wenig Nachdenken von selbst auf die gleichen Gedanken.