Die Saga Vom Dreisatz
Die Sage vom Dreisatz
Im grünen Tal der Saale in Thüringen finden sich an einer Biegung des Flusses drei Burgen. Im Volksmund werden diese Burgen die "Drei Gleichen" genannt. Auf jeder dieser Burgen wohnten Brüder einer Familie. Diese Brüder mochten sich eigentlich ganz gerne und jagten auch oft gemeinsam. Weil sie alles gemeinsam machten, nannten die Bauern diese drei auch den Dreisatz, weil sie immer im Dreierpack vorkamen.
Der erste der Brüder, der älteste, liebte es, einfache Feststellungen zu machen, so wie: "Ein Kilo Äpfel kostet 3,99 Gulden!" oder "Ein Pferd braucht 24 Stunden, um unsere Wiese am Fluss leerzufressen!"
Der jüngste der Brüder konnte sehr gut rechnen und sobald der älteste Bruder eine seiner Feststellungen gemacht hatte, schrie der kleine auch schon: "Dann kosten 5 Kilo Äpfel mehr 5x3,99 also mehr, nämlich 19,95 Gulden" oder "Dann werden unsere 3 Pferde mehr 24:3 also weniger als 8 Stunden brauchen, um die Wiese leerzufressen!" Damit hatte er natürlich recht, aber er nervte auch ein wenig.
Der dritte Bruder, der Mittlere, war wie viele mittlere Brüder etwas sonderbar. Er liebte es, im Quadrat zu springen oder in Spiralen zu gehen oder gar rückwärts zu hüpfen.
Dieser Bruder war sehr schweigsam und dachte sich so seinen Teil.
Es kam aber eines Tages wie es kommen musste, und der Vater der drei Brüdern rief seine Söhne zu sich und sagte: "Liebe Söhne, ich werde bald sterben, und will festlegen, wem von Euch ich mein kleines Königreich vererbe. Wie es das Schicksal so will, habe ich hier einen Brief von meinem Freund, dem Sultan Yüzde, auf Deutsch "Vom Hundert" oder auf Latein: "Prozent".
Sultan Yüzde schreibt mir, dass er seine Tochter, die schöne Calculate, nur einem guten Rechenmeisterfürsten geben will und er hätte gehört, wie meine Söhne immer alles ausrechnen würden, dass es schon eine Landplage geworden sei. Wenn ich nicht binnen eines Monats zwei Aufgaben gelöst habe, wird er kommen und meine Schwierigkeiten mit unserem Erbe beseitigen, indem er seinen Wesir Hesaplayan kimse, auf deutsch "Rechenfix", auf meinen Thron setzt und euch drei nach Grönland auf die Schule schickt, wo ihr dann von Robbentran und Schneewasser leben müsst bis ihr die Prozentrechnung im Kopf und auswendig könnt! Also, hier ist der Brief, macht euch dran!"
Die Brüder waren sehr bestürzt, zogen sich unter tiefen Verbeugungen zurück, gingen in die nächste Kneipe und öffneten den Brief.
Die erste Aufgabe:
Wenn 3 kg Äpfel 3,99 Gulden kosten, wieviel kosten dann 5 Kilo Äpfel?
Die zweite Aufgabe: Wenn 3 Pferde 8 Stunden brauchen, um eure Wiese abzufressen, wieviel brauchen dann 5 Pferde?
Die Brüder sahen gleich, dass diese Aufgaben verzwickt waren, weil die Zahlen nicht mehr einfach multipliziert oder dividiert werden konnten.
Sicherheitshalber rief der erste Bruder, seiner Gewohnheit folgend, das festzustellen, was jeder wusste: "3 kg Äpfel kosten 3,99 Gulden! Ach, ich Ärmster, weiter weiss ich nicht zu sagen!" Und er sah den jüngsten Bruder hoffnungsvoll an.
Doch der jüngste Bruder sagte nur leise: Ich weiss es nicht, ich kann nicht auf meine gewohnte Weise rechnen! Ich weiss nur, aus mehr wird hier mehr!"
Da erhob sich der mittlere Bruder und sprach:"Jetzt muss ich mal wieder rückwärts gehen! 3,99 Gulden geteilt durch 3 Äpfel geben 1,33 Gulden für einen Apfel!"
Kaum hatte er das gesagt schrie der kleinste Bruder, seiner Gewohnheit folgend:"Dann kosten 5 Kilo mehr 5 mal so viel mehr, also 6,65 Gulden!"
Und siehe da, die erste Aufgabe war gelöst und die drei Brüder tranken erst mal je ein Bier.
Aber die andere Aufgabe, jammerte der älteste Bruder, nachdem er seinen Humpen abgesetzt hatte, sieht so verdammt indirekt aus, ganz anders als die erste. Hier wird aus mehr weniger!
Drei Pferde brauchen 8 Stunden, um unsere Wiese abzufressen, das hat der Kleine letztens ausgerechnet! Aber nun 5 Pferde?"
Wieder antwortete der Kleine Bruder leise: "Keine Ahnung, aus mehr wird hier weniger, das ist wie immer, aber wieviel, das weiss ich nicht!" Doch er blickte voller Hoffnung seinen mittleren Bruder an:"Kannst du nicht noch mal rückwärts gehen?"
Der mittlere Bruder lachte, sprang auf den Tisch guckte zwischen seinen Beinen durch und rief:"Wenn ein Pferd für drei frisst, braucht es es drei mal so lange, also 3x8 Stunden ... "
Er war noch gar nicht fertig mit seinem Satz, da rief der kleine Bruder schon: 3x8 ist 24 und 24 durch 5 Pferde macht 4,8 Stunden!"
Heidiwitzka, wie sich die Söhne freuten!
Sie sprangen, etwas schwankend, auf ihre Pferde und ritten zum Schloss.
Zu ihrer Überraschung sass da der Sultan Yüzde mit ihrem Vater beim Schach. "Und, habt ihr die Lösung? fragte er lächelnd."
Die Söhne präsentierten stolz ihre Ergebnisse.
Hmm machte der Sultan.
Humm machte der Vater.
"Könnt ihr mir das mal aufschreiben?" bat der Sultan, "da dreht sich mir ja der Kopf! Wie habt ihr das ganz ohne Prozentrechnung herausbekommen?"
"Wie es aussieht, braucht ihr mich hier gar nicht für eure alltäglichen Berechnungen. Aber die Prinzessin kriegt ihr erst, wenn ihr die Formeln auch tanzen könnt!"
Und das taten die drei Söhne denn auch, kriegten die Prinzessin, die gaben sie dem verqueren mittleren Bruder, weil sie ihnen zu viel rechnete und wurden mit anderen Mädchen glücklich und wenn sie nicht gestorben sind, haben sie vielleicht sogar die Prozentrechnung gelernt.
Der Tanz ging so:
Drei Weise a, b, c braucht es nur, um ein Rätsel x zu lösen.
(4 Teilnehmer/innen halten Karten vor die Brust, auf denen auf der einen Seite die Variablen a, b, c, x, und auf der anderen Seite die Werte aus dem Rätsel eingetragen sind. Sie wechseln die Plätze, stellen die Formel also mit ihren Körpern um. Die Karten mit den Kopula : und = werden auf den Boden gelegt. Bruchstriche können mit Seilen gelegt werden. Es entsteht eine heftige Diskussion zwischen den TeilnehmerInnen.)
a : b = c : d
wenn c das Rätsel ist,
a : b = x : d
wird sich d in a verlieben
a * d : b = x
Wenn d das Rätsel ist a : b = c : x
verliebt sich c in b
a : b * c = 1 : x
und ihre Liebe stellt die Welt auf den Kopf
b * c : a = x


